Presse
7. Juni 2000, Wochenblatt
Denkmal-Verhüllung à la Christo
MG - Auf den Spuren des Künstlers Christo (verhüllte unter anderem den Reichstag in Berlin) wandelten kürzlich die Schüler der Grundschule Bovestraße. Im Rahmen einer Projektwoche "verpackten" 16 Mädchen und Jungs aus den Klassen 3 und 4 drei Denkmäler am Wandsbeker Markt (die beiden Ziegen an der Robert-Schumann-Brücke, die zwei Löwen auf der ZOB-Grünfläche und die Statue des Postboten vor der Post) mit Stoff, Folie und Papier, um anschließend die Passanten zu den verhüllten Objekten zu befragen. Die Aktion, die den Titel "Sehen mit anderen Augen" trug, hatte das Ziel, die Wandsbeker zu einer bewußteren Wahrnehmung ihrer Umwelt anzuregen.
"Bei der Auswertung der Fragebögen wurde deutlich, dass die Frauen und Männer kaum etwas über die Denkmäler wissen, diese gar nicht beschreiben können - obwohl sie oft tagtäglich daran vorbeigehen", erklärt Kunstlehrerin Gabriele Klier, die das Projekt initiierte. Schon die erste Frage zu den Löwen auf der ZOB-Insel ("Welches Tier wurde hier verhüllt?") brachte viele Passanten ins Schwitzen. Und wer es wußte, mußte spätestens bei der Frage nach dem Unterschied zwischen beiden Tieren oder bei der nach dem Standort der Löwin (links oder rechts?) passen. " Viele Erwachsene scheinen schon seit Jahren mit geschlossenen Augen an den Denkmälern vorbeizueilen, nehmen sie oft gar nicht wahr", beschreibt der neunjährige Jan-Henrik das Ergebnis der Aktion.
Abseits der "Verhüllung à la Christo" gab es auch Aktionen zu den Themen "Zeichnen à la Picasso" und "Malen à la Franz Marc". Die Resultate werden ab Mitte Juli öffentlich zu sehen sein - dann nämlich eröffnet die Grundschule Bovestraße ihr "KinderKunstMuseum", mit dessen Aufbau man seit zwei Jahren klassenübergreifend im Kunst- und Musikunterricht beschäftigt ist. Ermöglicht werden soll ein "Gang durch die Kunstgeschichte". " Wir möchten die einzelnen Epochen von der Steinzeit bis zur Gegenwart exemplarisch behandeln - mit einer begrenzten Anzahl von Exponaten, damit die Kinder den Überblick behalten und dennoch das Wesentliche erfassen", erklärt Gabriele Klier. Ausstellen will man vor allem Kinderbilder (weil diese Gleichaltrige oft direkter ansprechen als die "richtigen" Kunstwerke), die durch Drucke und Kopien von den Arbeiten großer Meister ergänzt werden sollen. Die Einweihung des Museums wird übrigens am 17. Juli im Rahmen des Schulfestes erfolgen.
9. August 2000, Wochenblatt
Hamburgs erstes KinderKunstMuseum eröffnet
MG - "Ihr habt hier etwas Einmaliges geschaffen", lobte Elke Petersen, Leiterin der Vor- und Grundschule Bovestraße, die 57 Schülerinnen und Schüler, die in den letzten beiden Jahren unermüdlich an Exponaten für Hamburgs erstes "KinderKunstMuseum" gearbeitet haben. An ihrem vorletzten Schultag - nach den Sommerferien gehen die Viertkläßler auf weiterführende Schulen - ernteten sie die Früchte ihres Schaffens. Ihnen gebührte die Ehre, das Museum feierlich zu eröffnen.
Seit Sommer '98 arbeitete Kunstlehrerin Gabriele Klier klassenübergreifend mit ihren Schülern an der Realisierung dieses Projekts, dessen Ergebnis sich sehen lassen kann. Im Treppenhaus und in den Fluren hat man knapp 400 Bilder und Objekte zusammengetragen, die einen Gang durch die Kunstgeschichte ermöglichen. Insgesamt 19 Epochen - von der Steinzeit über die Romanik und die Renaissance bis zum Expressionismus, dem Surrealismus und schließlich der Postmoderne - werden exemplarisch behandelt; mit einer begrenzten Anzahl von Exponaten, damit der Betrachter den Überblick behält und das Wesentliche erfaßt. "Wir haben vor allem Kinderbilder ausgestellt, weil diese Gleichaltrige oft direkter ansprechen als die "richtigen" Kunstwerke großer Meister. Diese sind zwar durch einzelne Drucke ebenfalls präsent, aber eben nur in kleinem Umfang", erklärt Gabriele Klier. Ergänzend zur Ausstellung hat man auch einen bebilderten Führer zusammengestellt, der die Besonderheiten der verschiedenen Kunstepochen auch und gerade für Kinder verständlich beschreibt.
Das KinderKunstMuseum soll nach den Ferien übrigens nicht nur den rund 250 Vor- und Grundschülern offen stehen. "Auch Erwachsene und insbesondere andere Schulen sind herzlich willkommen", sagte Elke Petersen, die Besucherklassen sogar einen Raum zur Vor- und Nachbereitung der Eindrücke zur Verfügung stellen wird. Obwohl der "Grund-Fundus" des KinderKunstMuseums jetzt steht, wird die Ausstellung immer wieder verändert: Schließlich sollen ja auch die nächsten Generationen in den Genuß kommen, das Museum zu bereichern.
9/2000, Wandsbek informativ
Ein Fest besonderer Art
bro - Die Schule Bovestraße feierte wie jedes Jahr auch im Jahre 2000 wieder ein Schulfest. In diesem Jahr hatte man etwas Besonderes - das KinderKunstMuseum - für das Schulfest vorbereitet. Alle Klassen von 1 bis 4 hatten daran mitgearbeitet.
Die Eröffnung des Museums wurde mit einem kleinen Festakt gefeiert. Die Kinder sangen ein eigens für diesen Zweck komponiertes Lied und sagten Gedichte über die Maler auf, denen man im Museum Arbeiten gewidmet hatte. Das Museumsschild wurde mit einem Tusch enthüllt.
Ein rotes Band wurde durchgeschnitten und danach durften die Besucher des Schulfestes das neu geschaffene KinderKunstMuseum betreten.
Die den Meisterwerken der großen Maler nachempfunden Bilder der Kinder bilden den Schwerpunkt der Ausstellung. Sämtliche Kunstepochen sind im KinderKunstMuseum vertreten. Von der Steinzeit über Gotik, Barock, Klassizismus bis zum abstrakten Expressionismus reicht die Bandbreite der künstlerischen Arbeiten. Mindestens mit einem Bild ist jeder Schüler und jede Schülerin der Schule im KinderKunstMuseum vertreten.
"Unser KinderKunstMuseum ist einmalig in Hamburg. Das Projekt hat zwei Jahre Vorbereitungszeit gebraucht. Die künstlerischen Arbeiten sind in den Gängen der Schule zu sehen. Wir hoffen, dass viele Kinder und Lehrer aus anderen Schulen sich unser KinderKunstMuseum anschauen und Anregungen mitnehmen, um ein ähnliches Projekt zu starten. Es bereitete allen, die daran mitgewirkt haben, einen großen Spaß und man erfährt so viel über Künstler und Kunstgeschichte", erklärt Gabriele Klier, Kunstlehrerin an der Boveschule. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass das KinderKunstMuseum entstehen konnte.
16.9.2000, Die Welt
Von Deborah Knür
In der Schule Bovestraße haben Schüler ein Museum für Schüler errichtet und leiten es selbst - Sonderprogramme für Klassen
Gabriele Klier kleidet sich nach Stundenplan. Zur Zeit entdecken ihre Schüler Vincent van Gogh, weshalb sie heute ein schwarzes T-Shirt mit Sonnenblumen trägt. Wenn sie Hundertwasser unterrichtet, sagt die Kunstlehrerin und schmunzelt, dann ziehe sie auch schon mal zwei verschiedene Strümpfe an. Unterricht zum Anfassen.
Auf Initiative und unter Anleitung der Lehrerin ist in der Grundschule Bovestraße in Wandsbek eine deutschlandweit wohl einmalige Einrichtung entstanden: Hamburgs erstes Kinder-Kunst-Museum in einer Schule. Bilder von Kindern für Kinder neben Kopien der großen Werke quer durch alle Epochen. Weil der Nachwuchs so einen anderen Zugang zur Kunst bekomme, ist die Lehrerin überzeugt.
Rund 200 Arbeiten hängen schon, vom Keller bis unters Dach. Zwei Jahre lang haben die Schüler der vergangenen dritten und vierten Klassen eine Reise durch die Kunstgeschichte unternommen. Die schönsten Arbeiten bilden den Grundstock des Museums und eine Brücke zu den Werken der großen Meister, die als Kopien ebenfalls zu sehen sind. "Die Kinder haben zu jeder Epoche etwas Typisches erarbeitet", erzählt Gabriele Klier. Alles altersgerecht, aber man wundere sich, sagt die Lehrerin, was die alles schon können.
Das Kinder-Kunst-Museum soll auch für andere Schulen geöffnet sein. Für Klassen stehen mehrere Termine und Sonderprogramme zur Auswahl, für andere Besucher ist das Museum derzeit montags von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Und die Grundschüler betreiben ihr Museum selbst. Abwechselnd kassieren sie die Eintrittsgelder, Erwachsene zahlen eine Mark, Kinder 50 Pfennig, spielen Museumswächter und führen durch die Ausstellung.
"Man darf den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen, um die Kinder an die Kunst oder die Musik heranzuführen", sagt Gabriele Klier. Auch deshalb spielt sie Erstklässlern schon klassische Musik vor. "Wenn ich das in der dritten Klasse tue, fragen die schon, was das denn komisches sei", weiß die Lehrerin.
Mit ihrer neuen Klasse 1a wagt sie sich derzeit an Van Gogh. Deshalb auch die Sonnenblumen auf dem T-Shirt. Gerade haben die Erstklässler zwei Blumenbilder fertig gestellt. Gemeinsam - Kunst verbindet. Der berühmte Maler eignet sich zu mehr: Mit seinem Namen und den Sonnenblumen lernen die Kinder auch spielerisch schreiben. "Wir suchen zum Beispiel das ,O' darin", sagt Gabriele Klier. Die Kunst sei eben viel mehr als nur "Bildungsbeiwerk".
Das Museum streckt sich über mehrere Etagen. Die Höhlenkünstler der Steinzeit sind im Keller nachempfunden, darüber die Kratztechnik der alten Griechen und die römischen Mosaiken. In der Byzantinik und der Romanik weihnachtet es ein bisschen, die Gotik ist ganz oben beheimatet, wo es hell ist und die Fensterbilder schön zur Geltung kommen. Auf dem Gang unterm Dach hängen Selbstporträts à la Dürer, er selbst daneben. Und Zeichnungen von Maschinen, die Drittklässler erfunden und dabei viel Phantasie entwickelt haben: Neben der Politikerfressmaschine gibt es auch eine Wiederbekommmaschine für ausgestorbene Tiere. "Im Barock fehlen noch Arbeiten", sagt Gabriele Klier und geht weiter bis zu Munchs "Schrei", den die Drittklässler nachempfunden haben. "Mit unheimlich viel Gespür für die Farben", findet die Lehrerin. Ganz oben die Hunderwasserecke und die Postmoderne.
Was als Ein-Mann-Show begann, hat eine Eigendynamik entwickelt. "Jetzt könnte ich Mitarbeiter gebrauchen", sagt die Lehrerin, die weiß, dass das ein unerfüllter Traum bleiben wird. Wo doch noch nicht einmal jemand von der Schulbehörde da war. Demnächst geht das Museum auch ins Internet (www.kinderkunstmuseum.de). Und Gabriele Klier bleibt jetzt doch an der Schule Bovestraße. Denn eigentlich wollte sie weg. Aber dann kam das Museum. Und jetzt wollen die Kinder, dass sie bleibt. Wer sollte auch dann auf ihre Bilder aufpassen, hätten sie gesagt, erzählt die Lehrerin und zupft ihr Sonnenblumen-T-Shirt zurecht.
15. Mai 2002, Hamburger Wochenblatt
Exklusiv-Führung für Senatorin
Prominenter Besuch im "KinderKunstMuseum" der Schule Bovestraße: Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram stattete dem vor zwei Jahren eröffneten Museum einen ausgedehnten Besuch ab und begab sich in Begleitung einer zweiten Klasse auf eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte. Denn auf den verschiedenen Etagen des Schulgebäudes werden Arbeiten aller wichtigen Stilrichtungen und Kunstepochen gezeigt - von der Steinzeit über die Kratztechnik der alten Griechen und den Fensterbildern der Gotik bis zur Postmoderne. Das Besondere: Sämtliche Exponate wurden (teile nach berühmten Vorlagen) von den Schülerinnen und Schülern der Klassen eins bis vier geschaffen. "Dadurch können wir den Kindern Kunstgeschichte hautnah vermitteln. Sie lernen Begriffe wie Barock oder Romantik einzuordnen", erläuterte Kunst- und Musiklehrerin Gabriele Klier, die die Realisierung des Museums maßgeblich vorantrieb und am weiteren Ausbau gemeinsam mit ihren Klassen permanent arbeitet. "Die Idee, den Kindern auf diese Weise ein Zeitgerüst zu geben, ist toll", lobte Senatorin Schnieber-Jastram nach dem Rundgang, bei dem sie von den Kindern in Form kleiner Vorträge über die Besonderheiten der jeweiligen Epochen aufgeklärt wurde.
